
Ein französisches Café mitten in Berlin
Manchmal sind es die zufälligen Entdeckungen, die am Ende besonders lange in unserer Erinnerung bleiben. Orte, nach denen man nicht gesucht hat, die oft auch in keinem Reiseplan stehen und an denen man eigentlich gar nicht vorbeikommen wollte. Genau so ein Ort ist die Croissanterie in Berlin-Schöneberg.
Wir waren am Samstag auf Einladung des Zigarren Magazins zu einem Genussevent nach Berlin gekommen. Unser Hotel Schöneberg lag nur etwa eineinhalb Kilometer vom Veranstaltungsort entfernt und war mit seinem wunderbaren Charme vergangener Zeiten schon eine kleine Entdeckung für sich. Nach einem wunderbaren Abend und einer etwas unruhigen Nacht begann unser Sonntag früher als geplant. Eigentlich waren wir zum Frühstück direkt neben unserem Hotel verabredet, doch kurz nach halb neun hatten wir keine Lust mehr, auf dem Zimmer zu bleiben. Also raus auf die Straße und einfach ein paar Schritte durch das noch ruhige Schöneberg laufen.
Weit sollten wir nicht kommen.
Manchmal muss man einfach nur seiner Nase folgen
Vielleicht 150 Meter vom Hotel entfernt war bereits ein kleines Café geöffnet. Croissanterie stand über dem Eingang. Und noch bevor wir überhaupt darüber nachdenken konnten, ob wir hineingehen, zog dieser Duft zu uns herüber. Frisches Gebäck, warme Croissants, Kaffee. Einer dieser Düfte, bei denen der Kopf eigentlich gar nichts mehr zu entscheiden hat.
Also hinein. Und plötzlich war Berlin für einen Moment ziemlich weit weg.
Frankreich, dachte ich sofort. Vielleicht hätte man auch irgendwo in Italien sein können, aber nein – für mich fühlte es sich nach Frankreich an. Nach einem dieser kleinen Cafés in Reims, die nicht versuchen, etwas darzustellen, sondern einfach das sind, was sie sind. Authentisch, liebevoll und voller Magie.
In der Auslage lagen Croissants in verschiedenen Varianten und viele andere kleine Köstlichkeiten. Es duftete nach Kaffee und frischem Gebäck, und die junge Dame hinter dem Tresen begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln. Mein Blick fiel auch auf die schöne, alte Espressomaschine und ich wusste: Hier sind wir richtig.
Damit war die Entscheidung gefallen. Obwohl wir eigentlich noch zum Frühstück verabredet waren, musste es hier ein erstes kleines Frühstück geben. Ganz klassisch. Ein Espresso und ein Croissant. Mehr braucht es manchmal einfach nicht an einem Sonntagmorgen.






Ein Espresso, ein Croissant und ganz viel Atmosphäre
Wir setzten uns, machten ein paar Fotos und genossen diesen ungeplanten Start in den Sonntag. Der Espresso war ausgezeichnet, so wie ich ihn liebe: samtig, nicht verbrannt und mit einer goldenen Crema. Das Croissant war fein – aber es war vor allem die Atmosphäre, die mich sofort gepackt hatte.
Ich mag solche Orte. Orte, die nicht laut um Aufmerksamkeit kämpfen müssen. Die keine große Geschichte erzählen müssen, weil man sie hier spürt, sobald man durch die Tür kommt. Ein paar Tische, der Duft von Kaffee und Gebäck, Menschen, die hereinkommen, bestellen, kurz miteinander sprechen und wieder verschwinden. Andere bleiben, trinken ihren Kaffee und lassen den Morgen langsam beginnen.
Während wir dort saßen, kam Christian dazu, der Inhaber der Croissanterie. Er hatte wohl gesehen, wie wir begeistert fotografierten und unsere kleine französische Auszeit genossen. Schnell kamen wir miteinander ins Gespräch.
Christian erzählte uns, dass die Croissanterie in ganz Berlin bekannt sei. Jetzt am frühen Morgen sei es noch ruhig, doch das würde sich bald ändern. Im Laufe des Vormittags werde es voll und irgendwann seien die Croissants und anderen Köstlichkeiten eben ausverkauft.
Wenn weg, dann weg.
Ich musste schmunzeln.
Was für ein sympathischer Typ, dachte ich.
Natürlich erzählten wir Christian auch, warum wir so viele Fotos machten und dass wir als Foodhunter ständig auf der Suche nach genau solchen Orten sind. Und so entstanden ganz nebenbei auch ein paar gemeinsame Bilder.


Genau deshalb liebe ich Foodhunting
Wir blieben noch eine ganze Weile sitzen und beobachteten das Treiben. Immer wieder öffnete sich die Tür. Viele holten sich etwas Feines für zu Hause, andere blieben auf einen Kaffee im Café oder setzten sich draußen vor die Tür.
Und während ich meinen Espresso austrank, dachte ich wieder einmal darüber nach, dass genau solche Momente für mich unser Foodhunting ausmachen.
Natürlich liebe ich außergewöhnliche Restaurants, große Menüs und besondere Produzenten. Ich kann mich stundenlang mit Olivenöl, Käse, Honig, Kaffee oder Wein beschäftigen und für ein außergewöhnliches Produkt auch ziemlich weite Wege fahren.
Aber manchmal liegen die besonderen Genussmomente eben nur 150 Meter entfernt.
Man muss sie nur entdecken und der inneren Stimme folgen.
Vielleicht ist das sogar das Schönste an meiner Leidenschaft: mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, neugierig zu bleiben und sich immer wieder überraschen zu lassen. Nicht jede Entdeckung braucht einen Michelin-Stern, ein spektakuläres Konzept oder eine große Bühne.
Meistens reichen ein guter Espresso, ein frisches Croissant und Menschen, bei denen man sich vom ersten Moment an willkommen fühlt.
„Schön, dass Ihr da wart“
Irgendwann mussten wir dann doch weiter. Schließlich wartete noch unser eigentliches Frühstück auf uns.
Wir verabschiedeten uns von Christian und seiner charmanten Kollegin und gingen Richtung Tür. Da rief Christian uns noch hinterher: „Schön, dass Ihr da wart! Und macht noch ein Foto vom Schild an der Eingangstür. Am Wochenende haben wir nur bis 15 Uhr geöffnet.“
Natürlich machten wir das Foto.


Und als wir wieder draußen auf der Straße standen, mussten wir beide lächeln. Eigentlich wollten wir an diesem Sonntagmorgen nur ein paar Schritte durch Berlin-Schöneberg laufen. Stattdessen waren wir für eine kleine Weile mitten in Frankreich.
Danke, Christian, und danke an Deine charmante Kollegin für diesen wunderbaren Start in den Tag. Für den Espresso, das feine Croissant, das nette Gespräch und vor allem für dieses schöne Gefühl, mal wieder zufällig am richtigen Ort gelandet zu sein. Die Croissanterie ist für uns eine echte Foodhunter-Entdeckung.
Und wenn wir das nächste Mal in Berlin sind, wissen wir schon, wo einer unserer ersten Wege hinführen wird.
Wir kommen wieder.
Das Foodhunter Unterwegs Video findet ihr hier: https://youtu.be/AYskxJidrUU


